No Skin Off My Ass
D/Can 1991, 80 Min., Regie: Bruce LaBruce
Dem kanadischen Underground-Filmemacher Bruce LaBruce kommt es in seinem ersten längeren Spielfilm weniger auf Handlung und Dialoge als auf die Provokation des Szenarios und die Ästhetik der Bilder an: Ein Skinhead ist Objekt eines Friseurs, eine lesbische Filmemacherin arbeitet auf Kosten anderer an ihrer Karriere. Bruce LaBruce macht den Angehörigen einer homophoben Macho-Subkultur, die mit ihrem Körperkult eindeutig homoerotisch geprägt ist, zum Fetisch einer Schwuchtel. Die politische Ideologie des Skinheads bleibt im Dunkeln und wird nicht ansatzweise thematisiert. Nicht nur in einer Zeit, als Skinheads per se als rechtsradikal galten, eine Provokation.
Die Handlung ist schnell erzählt: Ein gelangweilter Friseur (Bruce LaBruce) trifft im Park auf einen jungen und naiv erscheinenden Skinhead (Klaus von Buecker), der den Friseur sofort in seinen Bann zieht. Er nimmt den scheinbar stummen jungen Mann mit nach Hause, lässt ihm ein Bad ein und sperrt ihn anschließend in ein Zimmer. Der Skinhead macht sich aus dem Staub und kehrt in sein eigenes Heim zurück, wo seine lesbische Schwester mit ihren Freundinnen an einem Film arbeitet. Ihr Film soll betont provokant und hochpolitisch wirken, so dass die herrische Regisseurin den eigenen Bruder für ihre Zwecke einspannt. Doch der Skinhead sehnt sich nach dem Friseur, der nunmehr allen Kunden eine Glatze schert. Schließlich finden beide zueinander und der Friseur verwickelt den Skinhead in demütigende Rollenspiele.

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Schlagwort: Schwul
Sa. 04.09. 22h "Prinz in Hölleland"
Prinz in Hölleland
D 1993, 90 Min, Regie: Michael Stock
„Prinz in Hölleland“ entstand nach dem Fall der Mauer als alternatives Filmprojekt einiger Bewohner einer Wagenburg im Berliner Stadtteil Kreuzberg die auch als Darsteller fungierten. Der Film zeichnet sich aus durch geschickte Improvisation und die realistische Darstellung der alternativen Subkultur Kreuzbergs zu Anfang der 1990er Jahre, in die die Handlung eingebettet ist. Laut Angaben des Regisseurs haben er und seine Mitbewohner ihr Leben mehr oder weniger einfach „abgefilmt“.
Die Handlung des Films ist eine Verschränkung der Erzählung des Narren Firlefanz, der mit seinem Puppentheater am Kottbusser Tor das Märchen vom schönen Prinzen und dem tapferen Müllersburschen einem aufmerksamem Publikum darbietet, und der Erlebnisse, die drei Bewohner einer Kreuzberger Wagenburg im Spannungsfeld von Drogen, Sex, schwuler Punkkneipenkultur („Café Anal“) und Gewalt erleben.
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Sa. 07.11. 22h "Coming Out"
Coming Out
DDR 1989, 113 min. Regie: Heiner Carow, Buch: Wolfram Witt, mit Matthias Freihof, Dagmar Manzel, Dirk Kummer, Michael Gwisdek, Pierre Bliß, Ursula Staack, Walfriede Schmitt u.a.
Coming Out ist der einzige in der DDR gedrehte Film über Schwule: Philipp, ein junger Lehrer, hat sein Coming-Out Ende der 80er Jahre in Ost-Berlin. Der Regisseur Heiner Carow musste sich bei der DEFA sieben Jahre lang um die Durchsetzung dieses Projekts bemühen, in dem am Rande auch erstmals die latente Ausländerfeindlichkeit in der DDR thematisiert wurde.
Zur Uraufführung kam es am 9. November 1989 im Ostberliner Kino “International”. Trotz plötzlicher Öffnung der Grenzübergänge nach Westberlin bestand das Publikum darauf, sich den Film zu ende anzusehen.
Ein typischer Vertreter der Gattung des Coming-Out-Films, doch in DEFA-Qualität; inszeniert mit ruhiger Kameraführung, gefühlvollem Soundtrack und beindruckender Besetzung.
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